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Gefahrenquelle: Kinderhochstuhl
Ein tragischer Fall in Oberösterreich, wobei ein einjähriges Kind schwer verletzt wurde, zeigt einmal mehr, dass hohe Stühle für kleine Kinder zur Gefahr werden können.
Überkochendes Essen, klingelnde Telefone, quengelnde Kinder: Alltagssituation für stressgeplagte Mütter. Oftmals ist ein Kinderhochstuhl eine vermeintlich sichere Möglichkeit, das Kind vorrübergehend ruhig zu stellen - ein folgenschwerer Irrtum. Jährlich verletzen sich mehrere 100 Kleinkinder im Alter zwischen 0-4 Jahren so schwer, dass sie im Spital behandelt werden müssen. Beinahe alle verunfallten Kinder erleiden eine Kopfverletzung. Die meisten Unfälle passieren rund 2-3 Monate vor Gehbeginn (ca. mit einem Jahr), wenn das Kind versucht sich unter zu Hilfenahme des Fußabstützbrettchens oder der seitlichen Armlehnen hochzustemmen und aufzustehen. Am Ende des 2. Lebensjahres probieren die Kinder gerne den Hochstuhl zu erklettern, was sowohl zum Absturz des Kindes als auch zum Umkippen des Hochstuhls führen kann. Besonders gefährlich ist es, wenn sich das Sicherheitsband zwischen den Beinen löst und das Kind mit den Füßen voran aus dem Hochstuhl rutscht. Bei diesen Unfällen kann das Kind mit dem Kopf zwischen der Hochstuhltischunterkante und der Sitzauflage des Hochstuhls eingeklemmt werden, was zu einer Erstickungssituation führen kann.
Der richtige Einsatz bringt´s!
Kinderhochstühle sind sofern, zweckmäßig eingesetzt eine sinnvolle Einrichtung. Als Essensplatz für Kleinkinder sind sie eine empfehlenswerte Hilfe, da das Kind beim Füttern nicht dauernd am Schoß gehalten werden muss und die Kleinen von Gefahrenquellen wie Besteck und heißem Essen ferngehalten werden. Als längerer Aufenthaltsort zum Spielen sind Kinderhochstühle allerdings ungeeignet, da sie dem Kind zu wenig Bewegungsfreiheit lassen. Das Kind versucht dann aus dem Hochstuhl zu "entkommen" und sich kriechend oder stehend zu befreien. Ein solcher Unfall ist leider in Sekundenschnelle passiert.
Sicherheitstipps
Damit Ihr Kind nicht nur hoch, sondern auch sicher sitzt, empfiehlt das Institut "Sicher Leben":
- das Kind nie unbeaufsichtigt lassen.
- Kinder nicht länger als nötig im Hochstuhl sitzen lassen, da sie zuwenig Bewegungsfreiheit haben und versuchen werden aufzustehen bzw. anfangen zu schaukeln.
- Beim Kauf darauf achten, dass der Stuhl kindgerecht geformt ist. Unbequeme Stühle fördern den Drang hinauszuklettern. Der Stuhl sollte eine Fußstütze haben - wenn die Beine längere Zeit baumeln, ist das unbequem, schlecht für die Haltung und drückt auf die Kniekehlen.
- Der Stuhl sollte eine erhöhte Rückenlehne haben, die den Rücken abstützt (nicht unbedingt den Kopf), sonst ermüdet der Körper und sackt in sich zusammen. Die Lehne sollte verstellbar sein, damit sich das Kind in jedem Alter anlehnen kann.
- Hosenträgerähnliche Gurte anlegen, um ein Aufstehen oder Herunterrutschen zu vermeiden.
- Ein stabiler Schrittgurt verhindert, dass das Kind unter dem Sessel durchrutscht. Dieser Schrittgurt darf nicht leicht lösbar sein. Sonst besteht Unfallgefahr durch das Hantieren von älteren Kindern.
- Optimal sind Stühle mit angepassten Sitz und Fußablageflächen, denn das Kind wächst und der Stuhl kann darauf adaptiert werden (Zwischen einem kleinen 9-Monatigen und einem großen 3-Jährigen kann ein Größenunterschied von 35cm liegen).
- Auf gute Standfestigkeit des Stuhles achten und auf ebenen Untergrund aufstellen. Rollen sind nicht zu empfehlen. Man vergisst vielleicht einmal auf das Arretieren und ein älteres Kind könnte das Kleine in einem unbeaufsichtigten Moment in die Nähe z.B. des Herdes der Treppe etc. schieben.
- Die Verwendung von Kindersitzen, die an Tischen befestigt werden, ist nicht zu empfehlen.
- Mehrfunktionale Stühle und Tisch-Stuhl-Kombinationen werden als Hochstuhl und Kinder-Spiel-Arbeitsplatz angeboten. Das verführt dazu den Stuhl als bequemen Aufbewahrungsort zu sehen. Das Kind sollte am Boden oder beim Tischchen am Boden spielen. Die Gefahr des Absturzes ist zu groß.
- Sitzverkleinerer sind nur sinnvoll, wenn sie die Auflagefläche für die Oberschenkel merklich reduzieren. Deshalb muss ein solcher Einsatz vor allem im Rücken gepolstert sein. Für das Kind ergibt sich eine kürzere Sitzfläche. Vorteilhaft ist, dass er die Jüngsten an der Seite abstützt.
- Beim Aufstellen sollte man darüber hinaus darauf achten, dass sich das Kind nicht mit den Füßen an der Tischplatte abstoßen kann.
"Alle diese Sicherheitsvorkehrungen entbinden allerdings nicht von der Beaufsichtungspflicht", meint Dr. Rupert Kisser, Leiter des Instituts "Sicher Leben". "Den absolut sicheren Kinderhochstuhl gibt es nicht. Ein unachtsamer Moment - und ein Unfall kann bedauerlicherweise in wenigen Sekunden passieren. Wir appellieren dringend an alle Hersteller und Händler, alle notwendigen Sicherheitseinrichtungen wie Rückenlehnen, Sitzgurt, Fußstütze und Hosenträgergurte zu berücksichtigen. Des weiteren fordern wir zum Schutz der Kinder eine verbindliche Norm für Kinderhochstühle. "

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