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3.500 Kinder durch Verbrennungen und Verbrühungen
verletzt
Jährlich verletzen sich rund 13.800 Personen durch Verbrennungen und Verbrühungen, darunter 3.500 Kinder.
Jede zweite Verbrühung wäre vermeidbar, wenn entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen würden. Dies zeigt eine neue Studie über thermische Verletzungen des Instituts "Sicher Leben"
Die Studie, die im Rahmen des EHLASS (European Home and Leisure Accidents Surveillance System) - Unfallerhebungssystems durchgeführt wurde, analysiert 481 Verbrennungs- und Verbrühungsfälle aus zehn österreichischen Spitälern. Demnach verletzen sich in Österreich jährlich rund 13.800 Personen infolge einer Verbrennung oder Verbrühung. Oftmals bleiben Narben zurück, die neben psychischen Problemen eine funktionelle Beeinträchtigung für das gesamte weitere Leben bedeuten. Das bedeutet, dass sich rund 40 derartige Unfälle täglich ereignen, wobei der Großteil des Unfallgeschehens (80%) dem Heim- und Freizeitbereich zuzuordnen ist.
Kleinkinder besonders gefährdet
Besonders gefährdet für Verbrennungen und Verbrühungen sind Kleinkinder (bis 4 Jahre): "Kleinkinder machen zwar nur fünf Prozent der Bevölkerung aber rund ein Drittel der jährlich 1.788 stationär behandelten Verbrennungen aus", so Studienautor Mag. Gerald Furian.
Verbrennungsursache meist heißes Wasser
Mehr als die Hälfte (52%) der Verbrennungs- und Verbrühungsunfälle bei kleinen Kindern war auf heiße Flüssigkeiten zurückzuführen: 26 Prozent verbrühten sich mit heißem Wasser, 19 Prozent mit heißen Getränken wie Tee oder Kaffee, je vier Prozent mit Suppe oder einer anderen heißen Flüssigkeit. Die Verbrühungen durch Flüssigkeiten entstanden in erster Linie durch aktives Verschütten von heißen Flüssigkeiten (27% aller Verbrühungsunfälle) oder durch passives angeschüttet werden (20%), durch das Herunterziehen von Behältnissen mit heißer Flüssigkeit vom Tisch (22%) oder vom Herd (10%). Betroffene Körperteile waren vor allem die Unterarme und der Brustkorb.
Gerade bei Kleinkindern ist mit besonders schweren Folgen bei Verbrühungen zu rechnen, erläutert Univ. Prof. Dr. Harald Hertz, ärztlicher Leiter des Unfallkrankenhauses Lorenz Böhler: "Es genügen schon 30 Sekunden Temperatureinwirkung von 54 Grad Celsius um die menschliche Haut drittgradig zu schädigen. Das erklärt, warum der Inhalt einer Kaffeetasse 30 Prozent der Körperoberfläche eines Kleinkindes verbrühen kann".
Verbrühungen bei Kleinkindern sind vermeidbar
"Es gibt genügend erprobte Vorkehrungen und Maßnahmen, die in jedem Haushalt leicht umgesetzt werden können um die Gefahr einer Verbrühung gerade bei Kleinkindern zu minimieren. Gefäße mit heißen Flüssigkeiten sind zum Beispiel außerhalb der häufig unterschätzten Reichweite Ihrer Kinder auf einer rutschfesten Unterlage abzustellen. Lassen Sie diese niemals unbeaufsichtigt stehen!", warnt Dr. Rupert Kisser, Leiter des Instituts "Sicher Leben" und hat weitere Empfehlungen parat:
- Herde müssen mit Schutzgittern versehen werden; dabei sind die Griffe der Kochgefäße zur Wand zu drehen; am besten allein die hinteren Kochplatten benutzen.
- Während dem Kochen Kinder nie alleine in der Küche lassen! Zum Transport heißer Töpfe Topflappen verwenden. Noch besser: Töpfe mit Kaltmetallgriffen verwenden.
- Heiße Sachen niemals tragen, wenn Kinder unter den Füßen spielen!
- Heiße Getränke niemals trinken, wenn ein Kind auf dem Schoß sitzt!
- Herabhängende Tischtücher vermeiden!
- Inhalieren aus offenen Töpfen mit heißem Wasser unter einem Handtuch ist gefährlich und bedarf der besonderen Beaufsichtigung!
- Reduktion der Temperatur des Warmwasserspeichers!
- Kontrolle der Badewassertemperatur - Verwenden Sie einen Temperaturbegrenzer für Heißwasser. Maximal 37 Grad Celsius verwenden!
- In Wärmeflaschen keine Flüssigkeit über 50 Grad Celsius füllen!
- Temperatur von in der Mikrowelle gewärmter Baby-Nahrung vor dem Füttern unbedingt kontrollieren! Das Fläschchen fühlt sich bei kochendheißem Inhalt von außen nur lauwarm an.
Erste Hilfe-Maßnahmen kaum bekannt
"Die Erstversorgung nach einem Unfall ist mitentscheidend über
das Ausmaß der oft bleibenden Schädigung oder sogar über
Leben und Tod. Viele Menschen wissen darüber nicht Bescheid. Bei
einem Verbrennungs- oder Verbrühungsunfall ist - um ein Nachbrennen
der Verletzung zu vermindern - eine rasche Kühlung des betroffenen
Areals mit Wasser die wirkungsvollste Erste-Hilfe Maßnahme. Die
optimale Wassertemperatur dafür liegt zwischen 15 und 30 Grad Celsius
mit einer Einwirkdauer von mindestens 15 Minuten. Bis zu 30 Minuten nach
der Verbrennung ist diese Maßnahme durchaus noch sinnvoll",
so Prof. Hertz. Leider gab es in der Mehrzahl der untersuchten Fälle
keine adäquate Erstversorgung. Wenn eine Erstversorgung durchgeführt
wurde, dann wurden hauptsächlich kaltes Wasser oder Eiswürfel
zur Behandlung der Verbrennung oder Verbrühung verwendet; der Rest
verwendete Salben, Verbände oder andere Hilfsmittel wie Öl,
Butter oder Mehl.
Frauen verbrühen sich in der Küche, Männer in der Freizeit
Bei Erwachsenen steht wie bei Kindern das Verbrühen mit heißen
Flüssigkeiten an erster Stelle bei den Verbrennungen und Verbrühungen,
wobei neben heißem Wasser (15%) auch heißes Öl und Fett
eine Rolle spielten (10%). Die Verbrennungen ereigneten sich häufig
beim Kochen. Nicht überraschend: Frauen waren mit 58 Prozent (Männer
23%) überproportional betroffen. Bei Tätigkeiten in der Freizeit
und beim Heimwerken war es umgekehrt. Rund neun Prozent aller Verletzungen
ereigneten sich durch ätzende Stoffe wie Säuren und Laugen,
wobei auch hier Frauen stärker betroffen waren als Männer.
Verbrennungen mit Textilien selten, aber schwer
Obwohl Textilien bei den Verbrennungen eine untergeordnete Rolle spielen
(in nur 4% der Verbrennungsunfälle waren Textilien involviert), sind
diese meist folgenschwer. Sicher-Leben-Chef Kisser: "Rund 500 Menschen
erleiden jährlich verunstaltende oder sogar tödliche Verletzungen
infolge zumeist vermeidbarer Brandunfälle mit entflammbaren Textilien.
In einigen Ländern wurden aus diesen Gründen Vorschriften über
die Brandsicherheit von Textilien erlassen. In Österreich existieren
bis dato leider keine gesetzlichen Bestimmungen - eine diesbezügliche
Änderung wäre anzustreben".
Gefährliche Kleidung: Baumwolle und Viscose
Nahezu alle am Markt befindlichen Textilien sind brennbar. Insbesondere
Baumwolle und Viscose fangen leicht Feuer und brennen rasch ab. Kleidungsstücke
aus diesen Materialien stellten auch die Mehrzahl der in der Erhebung
existierenden Fälle mit Textilien. Generell brennen locker gesponnene
oder leichte Textilien besser als dichte und schwere Gewebe. Insbesondere
Plüsch und Flauschoberflächen, wie auch manche Fleece fangen
sehr leicht Feuer und brennen durch die gute Oberflächenausbreitung
komplett ab. Manche Kleidungsstücke sind mit dem Gütesiegel
schwer entflammbar versehen. Das heißt aber auf keinen Fall, dass
das entsprechende Kleidungsstück feuerfest ist. Die häufigsten
Zündquellen für Textilbrände sind Zigaretten, Gasflammen,
Kocher, Holzkohlengriller, offene Kamine, überhitztes Öl und
Heizgeräte sowie Streichhölzer, Kerzen (Adventkranz, Christbaum,
Wunderkerzen).
Wien, 13.12.2002
Rückfragen: Mag. Gabriele Hinterkörner/Pressestelle Tel.: 01/717
70 DW 161
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